Hornissennest an einer Eiche frei gebaut

Die Adler des Insektenreiches: Hornissen

Drei Hornissenstiche töten einen Menschen, sechs ein Pferd. Oder so ähnlich. Stimmt das?? Vor einigen Jahren band ich ein Pony an einem Kirschbaum fest. Fahrlässiger weise hatte ich vergessen, dass an dem Baum auch ein Vogel-Nistkasten hing, in dem eine Hornissenkönigin ihr Nest gebaut hatte. Das Telefon klingelte und ich ließ das Pferd kurzfristig alleine. Als ich nach zehn Minuten auf das Tier schaute, bemerkte ich eindeutige Erregung. Zunächst war es mir unerklärlich, warum das Tier kurz vor der Panik stand. Beim Hinzutreten bemerkte ich dann die beiden kontrollierenden Hornissen, die mit Brummen das Pony noch aus sicherer Entfernung umkreisten. Schnell, aber mit beruhigenden Worten band ich das Pferd los und brachte es aus der Gefahrenzone. Hätte ich das nicht getan, wäre der Kirschbaum und damit das Nest durch die angstvollen Befreiungsversuche erschüttert und die ganze Hornissensippschaft in Alarmbereitschaft versetzt worden. Bei den sanften Schwingungen, die meine kleinen Kinder zwei Meter unter dem Nest mit einer Schaukel ausführten, war das Problem nie aufgetaucht, so dass wir die Anwesenheit der Hornissen bis zu diesem Zeitpunkt fast vergessen hatten, da in unserem Hause immer Nester vorzufinden sind. Wahrscheinlich hatten die Nestinsassen eine Streife ausgeschickt, als sie den Pferdegeruch oder die nicht gewohnten Erschütterungen an ihrem Wohnort wahrnahmen. Das Pferd, beunruhigt durch das tiefe Brummen, wollte als Fluchttier der Situation entsprechend seinem angeborenen Verhaltensschema begegnen, konnte aber nicht fliehen. Also kämpfte es gegen den Anbinde-Strick. Wäre dieser bei heftigen Befreiungsversuchen gerissen, hätte es sich beim Zurückfallen das Genick brechen können. So wären in diesem Falle schon zwei Hornissen für einen eventuellen Pferdetod ausreichend gewesen.

Ein anderes Beispiel. Mit der Sense mähte ich eine hochgewachsene Wiese und bemerkte nach einigem nicht beachteten Brummen einen Stich. Zunächst dachte ich an ein Wespennest in einem Mauseloch, bis ich ein frei gebautes Hornissennest an einem zugewachsenen Johannisbeerstrauch entdeckte. Ich beließ einen freien Bereich von etwa drei Metern und konnte meine Arbeit schließlich fortsetzen. So stelle ich mir die andere Unfallvariante vor, dass etwa ein Pferdegespann oder ein gerittenes Pferd zufällig mit einem frei gebauten Nest in Berührung kommt und dann die komplette Nestbesatzung am Hals oder den Hufen hat. Wenn die durchgehenden Tiere dann noch zum Stehen kommen, kann man von Glück sagen. Ich bin überzeugt, dass auf diese Weise einige Unfälle in früheren Zeiten vorgekommen sind. Aber durch die Giftwirkung des Stiches??

Ein gesunder Erwachsener kann etwa 150 Bienenstiche vertragen –oder auch mehr, denn die Zahlenangaben differieren je nach Quelle (was übrigens auch für andere Zahlen auf dieser Webseite gilt, aber die Größenordnung ist damit angegeben). Die Giftmenge einer Hornisse , deren Körper wesentlich größer ist, liegt etwa im gleichen Bereich wie die der Honigbiene. Wenn der Stich allerdings ausgerechnet einen Allergiker trifft, reicht schon ein halber Stich aus, um denjenigen in ernste Schwierigkeiten zu bringen. Allerdings ist eine echte Allergie gottlob selten und wird nach einem unter Zehntausend gerechnet.

Wie schmerzhaft ist ein Hornissenstich? Als Imker werde ich immer wieder –insbesondere wenn ich hastig an meinen Tieren arbeite- gestochen. Ich empfinde dagegen einen Hornissenstich als harmlos, weil die Giftmenge halt bescheiden ist, weil kein Stachel wie bei der Honigbiene in der Haut verbleibt. Denn ein daran verbliebener Nervenknoten pumpt das Bienengift auch noch später in den Körper des Gestochenen. Deshalb sollte man einen Bienenstachel durch seitliches Ausschaben etwa mit dem Fingernagel entfernen. Nicht herausziehen, denn dann drückt man erst recht das Gift in die Gefäße!. Ein Hornissenstich dagegen fühlt sich eher wie ein Brennen an, das vielleicht von der nahen chemischen Verwandtschaft zur Ameisensäure herrührt. Meine damals dreijährige Tochter wurde von einer Hornissenkönigin gestochen, als sie in einen Papiersack packte, wo die Queen gerade ihr Nest baute. Außer Tränen und einer Schwellung war nichts Beunruhigendes zu berichten gewesen. Allerdings war der Schrecken groß, da das Ereignis doch nicht erwartet und erkennbar auftrat. Das Schmerzempfinden eines Betroffenen wechselt von Person zu Person und auch je nach Tageskondition. Auch wird die Giftwirkung eines Tieres in dessen Lebenszyklus –ähnlich wie bei der Honigbiene– variieren.

Die Nester sehen meist gewaltig aus und man erwartet eine ganze Insektenarmada. Aber meist leben in den Prachtbauten in der Zeit der maximalen Ausdehnung (etwa August) lediglich ein paar hundert  Tiere. Außerdem wird das Nest nur einmal benutzt, im nächsten Jahr wird von den in Verstecken überwinterten Jungköniginnen ein neues gebaut. Dieses kann wohl direkt neben dem alten hängen, wenn die Verhältnisse günstig sind.

Dem Nest kann man sich vorsichtig bis auf 2-3 Meter nähern, wenn man nicht in seine Richtung atmet. Sollte ein Wächter kommen und nachschauen, was der Fremdling will, muss man cool bleiben und sich nicht rühren. Schnelle Bewegungen können Insekten mit ihren Facettenaugen gut ausmachen, stehende Personen sind schlechter zu orten. Unter dem Nest empfehlen sich ein paar Lagen Zeitungspapier, da die Tiere reinlich sind und den Abfall nach unten aus dem Nest fallen lassen. Das Papier vermeidet dann unangenehme Gerüche, sofern sich der Bau im Innenbereich befindet. Mit Hornissen unter dem Dach kann man gut zusammenleben. Sie sind ausgesprochen friedlich und interessant. Wer diese Nacht jagenden Großinsekten beobachten konnte, wird es bestätigen. Im Herbst sterben die Arbeiterinnen und man kann in der Regel ab November die verlassenen Nester entfernen. Dass Hornissen zu den bedrohten Tierarten gehören und nicht einfach gestört oder gar getötet werden dürfen, brauche ich sicherlich nicht besonders zu erwähnen. Sollten Sie Probleme haben, rufen Sie am besten bei der unteren Landschaftsbehörde ihres Kreises an, wo man Ihnen bestimmt weiterhilft.

Wenn Sie mehr über die Lebensweise dieser Insekten erfahren wollen, empfehle ich die Seite http://www.hornissenschutz.de. Dort finden Sie neben umfassenden und laufend aktualisierten Informationen auch hervorragende Bilder.